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Ausgedated?

Es ist still geworden auf Tinderbel. Und wie es so oft ist, spiegelt das Onlineleben nur bedingt wider, wie das echte Leben aussieht. Es ist nicht so, als hätte ich mich in den vergangenen zwei Jahren nicht gedated - im Gegenteil! Aber in der Kleinstadt wo ich wohnte fand sich auf halbwegs akzeptablen Abstand wirklich nichts, was mich auch nur ansatzweise interessiert hätte. Da gab es Denno, der in irgendeiner RTL 2 Realityserie mitspielt und mich trotz dessen irgendwie verzauberte mit Musik von Spaceman Spiff, zarten Händen und strahlend blauen Augen. "Wie schade, dass du in Hamburg wohnst.", seufzte ich beim Abschied. "Es gibt aber eine Zugverbindung hierher, oder...?", entgegnete er verschmitzt und hoffnungsvoll zugleich und entzündete auch in mir ein Feuerwerk der Träumerei: Hamburg? Da wollte ich eh immer mal leben, also wenn das in letzter Konsequenz nötig wäre, warum nicht? Die Ponys waren mal wieder mit mir durchgegangen und die Quittung gab es in der Form, ...

Wie ich zur Bumble Biene wurde...

 Nutzt ja alles nix. Die letzte große Liebe war mal wieder ein Schuss in den Ofen und während eine wilde Corinna in der Welt wütet und für Social Distancing plädiert, sehe ich mich zurückgeworfen in die Onlinedatingwelt.. OkCupid wurde mir empfohlen. Fand ich auch nicht schlecht, bis mich ein gekränkter Heini gemeldet hat und mein Profil gesperrt wurde.. Danke für die 100 übergriffigen Arschkrampen, die ich zuvor ergebnislos gemeldet hatte. Gleichberechtigung olé und so. Naja, was soll's: Ein Ersatz musste her. Das Logo von Bumble gleicht einer Bienenenwabe und die Plattform unterscheidet sich von anderen darin, dass nur die Frau den Mann anschreiben kann. Was auf dem Papier irgendwie total emanzipatorisch klingt, ist in der Realität vor allem eins: Scheiße.  Super scheiße sogar. Zu diesem Einbahnstraßenverfahren kommt nämlich noch hinzu, dass man nur 24h hat, einem Match zu schreiben, was mich persönlich völlig in Stress versetzt hat, denn nur weil ich gerade Lust habe rumzus...

Wie ich die "Toleranz" verlor...

 "Man kann auch mal ein bisschen toleranter sein!", schrie mir einer meiner Matches noch nach, während ich schon dabei war ihn aufzulösen. Zur Zeit ist mein Matchverschleiß höher als der Umsatz von Mundschutz-Masken (Munschutze? Mundschütze? Mundschutzvorrichtungen?) und ich bin mehr als unzufrieden. Gut, man kann annehmen, dass meine aktuelle negative Grundstimmung nicht gerade dazu beiträgt, dass ich friedfertige Gespräche führe. Dennoch überrascht mich die Respektlosigkeit vieler Datinganwärter doch jedes Mal aufs Neues. Mein Profil hatte ich irgendwann angepasst: Von fröhlich flapsig und unkompliziert, zu gnadenloser Ehrlichkeit: "Ich suche jemanden, der sich für mich als vollständige Person interessiert." Denn das war wirklich, was ich wollte. Sollte das nicht reichen, um ein paar gute Fische an Land zu ziehen? Spoiler.Warnung: Nein. Die Anzahl sexualisierter Begrüßungen auf Tinder ist "too damn high" - verdamm nochmal viel zu hoch! Und für jeden, der...

Fortsetzung folgt...

Und dann kam Bastian. Ich hatte ein Date-Marathon-Wochenende geplant. Donnerstag Essen gehen mit Paul, Freitag Karnevalsparty mit Bastian, Samstag Spazieren gehen mit Fabian und Sonntag einen Film gucken mit Benjamin. Das volle Programm. Wenn da nicht einer zwischen ist, der mir gefällt, weiß ich's auch nicht! Donnerstagmorgen meldete sich Paul. Krank geworden, voll verschnupft und zugenäht. Essen gehen musste ausfallen, weil Knutschen mit Schnottnase unschön ist. Wenn Sie sich jetzt als Leser fragen, was Essen gehen und Knutschen gemeinsam haben, dann waren Sie wohl noch nie auf einem Tinderdate. Und das ist okay. Kein Grund zur Scham. Donnerstag blieb ich also allein daheim und erwartete mit Freuden den Freitag. Er kam. Sowohl der Freitag, als auch Bastian, wobei mich Letzteres mehr überraschte. Ich hatte Bastian spontan auf eine semi-private Karnevalsparty eingeladen im Büro meiner Cousine. Der Plan war, zusammen mit ein paar Freunden hinzugehen, und da meine Cousine ...

Serhad und die Waschmachine

Serhad ist keine klassische Tindergeschichte. Serhad ist mehr ein Instagramabenteuer, wenn man so will. Aber zurück zum Anfang: Im letzten Jahr nahm ich an einem Firmenlauf teil - meinem ersten um genau zu sein. Wir wollen nicht weiter auf meine unterirdischen Ergebnisse eingehen und uns dem wirklich wichtigen Thema zuwenden: hübsche Gesichter. Genau so eins erblickte ich nämlich, als ich zwei Tage nach dem Lauf die Fotos auf der offiziellen Seite durchklickte. Auf Platz 3 war ein junger Mann gelandet: Dunkle Haare, dunkle Augen, ein angenehmer Bart und eine Gesichtsform, die meine Knie schlottern ließ. Wow! Wenn ich doch nur herausfinden könnte, wer dieser Mann ist....! Ah! Da stand es ja schon: Serhad F. Direkt unter dem zweiten Foto war sein Name aufgelistet, als einer der Preisträger. Wie praktisch! Und zur Hölle mit Datenschutz! Eine kurze Socialmedia Suche und ich hatte sein Instagramprofil gefunden. In echter Stalkermanier schrieb ich ihn natürlich nicht direkt an, so...

Ein Gastbeitrag: Lara Lügenbaronin

Der folgende Post ist ein Gastbeitrag von C., heute 30 Jahre alt, männlich. "Tjaaaa, wo fange ich an. Mit großer Freude hatte ich die Dategeschichten einer gewissen Tinderbel verfolgt, der zufällig dieser Blog gehört. Auf meiner vor Lob überquellende Nachricht, wie sehr mir diese doch zusagten und in der ihr auch mitteilte, dass ich ebenfalls so einige Erfahrungen mit diesem wunderbaren neuem Medium Flirtapp gesammelt hatte, meinte sie: Schreib doch mal 'n Gastbeitrag, wenn du magst.  Daran sitze ich nun, habe mich aber noch gar nicht entschlossen welche meiner Geschichten sich dafür am besten eignet und ob es überhaupt mehr als eine wird. Egal, ich fange einfach ganz vorne an.Vor fünf Jahren. Nach dem sehr plötzlichen Ende einer zweijährigen Beziehung stand ich da in meiner neuen Wohnung, die wir uns gemeinsam ausgesucht hatten, die wir gemeinsam möbliert hatten und war gegen alle Erwartungen nun doch der einzige neue Bewohner. Nach den Tränen und dem Trübsal, die ...

Bob Besitzanspruch

Bob heißt bei mir Bob, weil er mich an Marley erinnert. Er hat Vorfahren aus Jamaica, trägt einen (wenn auch eher kurzen) Afro und liebt neben Reggae auch das Wunderkraut, das auf der gleichnamigen Insel ja durchgehend konsumiert wird, wenn man den Klischees Glauben schenken darf. Bob war nett und geduldig. Und ein Rematch. Im Winter 2018 hatten wir einander zum ersten Mal gematcht. da war ich aber noch im Loch und hatte viel zu viel Angst vor Enttäuschung, als dass ich mich an ein Treffen getraut hätte. Ich hatte mir zwar vorgemacht, da würde schon gehen, aber letzendlich beendete ich den Kontakt relativ unsanft mit der Erklärung, ich sei einfach nicht bereit für eine romantische Beziehung oder den Aufbau einer solchen. Beim Rematch im Juni 2019 wusste ich nicht mehr genau, wie der Kontakt ausgelaufen war. Bob schon. Ich entschuldigte mich und erklärte meine damalige Gefühlslage. Er verstand. Er hatte mich trotz allem wieder gematcht, weil er mich für besonders hielt. Im Somme...