Direkt zum Hauptbereich

Die Geburt von Tinderbel - oder: Wie alles begann

Ich weiß noch ziemlich genau, wie ich reagiert habe, als mir ein Kumpel zum ersten Mal von Tinder erzählte: Angewidert. Extrem angewidert.
Das muss in 2012 oder 2013 gewesen sein.
Ich sah die Gesichter von lächelnden Frauen und wie mein Kumpel sie gnadenlos nach links oder rechts wischte, ohne auf mehr zu achten, als ein hübsches Gesicht, einen schlanken Körper und möglichst große Brüste. Wie herabwürdigend! Wie ekelhaft und oberflächlich!
Da mach ich niemals mit.

Ich hielt ihm eine behorliche Standpauke und wand mich ab.

Erst deutlich später sollte ich selbst der Sucht des Swipens verfallen. Ich gebe zu, meine Initialreaktion mag auch damit zu tun gehabt haben, dass ich besagten Kumpel eigentlich selbst ganz gut fand. Er mich aber nie. Dafür die kleine, blonden Mädchen auf Tinder. (Oh meine Hass-Liebe für kleine, blonde Mädchen...dazu vielleicht ein anderes Mal mehr)

Es folgte eine Zeit des tinderlosen Single Daseins, Beziehung mit einem anderen Typen, der emotional eher die Reife eines 12jährigen besaß und eine dementsprechend lange Periode des Herzschmerz, verbunden mit einem Umzug. Ich lebte damals noch in den Niederlanden, zog von Enschede nach Utrecht, mit meinem gebrochenen Herzen im Handgepäck. Da angekommen, saß ich alleine auf meinem Zimmer, in einer Stadt, in der ich niemanden kannte und ich dachte: Hey, es gab da doch noch dieses Tinderding... wer weiß, vielleicht taugt das ja auch zum Menschen kennenlernen, und nicht nur als Sexapp?

Ich beschloss mein Glück zu versuchen. Mein Text traf wohl genau den Nerv vieler Männer: Studentin, neu in der Stadt, gepaart mit Fotos auf denen ich unschuldig süß in die Kamera lächelte. In Windeseile hatte ich eine ganze Menge Matches, unter anderem mit Männern, die ich im echten Leben niemals angesprochen hätte, weil sie einfach viel zu schön waren. Ich war, ums mal gelinde zu sagen, völlig begeistert! Ich schwebte noch in der Illusion, alle iese Männer würen mich wirklich gern kennenlernen wollen. Lang dauerte es nicht, bis ich erkannte, dass 80% der Gespräche nicht über die ersten paar Sätze hinauskommen, weil entweder die Chemie nicht stimmt, oder man sich einfach nichts zu sagen hat (ist das nicht vielleicht sogar das Gleiche?).

Zu ein paar Dates kam es aber trotzdem, und auch zu mehr als das. Aber dazu mehr in den nächsten Wochen. Inzwischen tindere ich wieder in Deutschland. Auf diesem Blog nehme ich euch mit in circa 6 Jahren Tindererfahrung. Ich teile die Highlights und Lowlights mit euch und freue mich auch sehr, ab und zu mal eine von euren Geschichten hier zu veröffentlichen. Also her damit!

Auf eine gesellige Zeit!
Eure Tinderbel


Kommentare

  1. guter Start, ich bin gespannt, wie es weiter geht. Ich hab ja auch so einige Erfahrungen mit Flirtapps gemacht, habe tatsächlich sogar noch einen alten privaten Blog von mir gefunden, der sich unter anderem mit diesem Thema beschäftigt, mal sehen ob ich hier auch was beitragen kann, irgendwann mal, wenn du magst.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Aber sowas von gerne!! Danke für dein positives Feedback! Freut mich sehr!

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Tom Tom

Nach Finn stürzte ich mich in einen regelrechten Datingmarathon. Zu lange hatte mein Ego gelitten, war klein gemacht und vernachlässigt worden. Auch von mir selbst. Zeit also, mich ein wenig wiederaufbauen zu lassen. Und dann am besten ohne, dass es Verletzte gab. Am Freitag traf ich Dino. Am Sonntag Fabi. Am Montag Donny. Dazwischen, am Samstag, traf ich Tom. Ich war auf einem DJ Picknick, ganz nahe am Viadukt, wo Finn und ich uns zum ersten Mal geküsst hatten. Irgendwie fand ich es gut, nochmal dort vorbeizuschauen und mich zu verabschieden.  Eigentlich hatte ich mich bereits damit abgefunden gehabt, den Abend alleine zu verbringen, da meldete sich Tom. Er würde wohl noch vorbeischauen, meinte er und auch wenn ich eine Sekunde zweifelte, ob ich noch Lust hatte länger zu bleiben, siegte die Neugierde auf diesen Menschen. Die Wartezeit überbrückte ich mit einem Spaziergang zu besagter Brücke. Oben angekommen, sah ich andere Menschen und machte wieder kehrt: "Nein, heute kann ich d...

Ich möchte dich am liebsten in ein Döschen tun...

Manchmal findet man etwas, das Kostbarer ist, als ein kurzer Flirt, ein gutes Gespräch oder 'ne gute Puzzlepartie. Manchmal findet man jemanden, den man am liebsten in ein Döschen tun möchte. Weil er so wertvoll ist und so kostbar. Dino war so jemand.  Ich traf ihn zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Mein Herz war zerfetzt, mein Körper geschunden und ich so zerbrechlich wie ein rohes Ei. Eigentlich war das Ganze absolut zum Scheitern verurteilt. Dino wohnte genau wie ich in Ruhrpott und wir trafen uns demnach am Wahrzeichen unserer Stadt, an einem Freitagabend. Es gab Budenbier, so wie sich das gehört und ich war ziemlich verzückt von seiner harmlosen Art.  Harmlos ist vielleicht nicht das Attribut, mit dem Männer sich gerne beschrieben sehen, aber für mich war es genau, was ich brauchte. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl: "Tinderbel, den Mann machst du platt, wenn du nicht aufpasst...!" Und ich wollte aufpassen, das wusste ich direkt. Dino war der süßeste Mensch auf der...

Fortsetzung folgt...

Und dann kam Bastian. Ich hatte ein Date-Marathon-Wochenende geplant. Donnerstag Essen gehen mit Paul, Freitag Karnevalsparty mit Bastian, Samstag Spazieren gehen mit Fabian und Sonntag einen Film gucken mit Benjamin. Das volle Programm. Wenn da nicht einer zwischen ist, der mir gefällt, weiß ich's auch nicht! Donnerstagmorgen meldete sich Paul. Krank geworden, voll verschnupft und zugenäht. Essen gehen musste ausfallen, weil Knutschen mit Schnottnase unschön ist. Wenn Sie sich jetzt als Leser fragen, was Essen gehen und Knutschen gemeinsam haben, dann waren Sie wohl noch nie auf einem Tinderdate. Und das ist okay. Kein Grund zur Scham. Donnerstag blieb ich also allein daheim und erwartete mit Freuden den Freitag. Er kam. Sowohl der Freitag, als auch Bastian, wobei mich Letzteres mehr überraschte. Ich hatte Bastian spontan auf eine semi-private Karnevalsparty eingeladen im Büro meiner Cousine. Der Plan war, zusammen mit ein paar Freunden hinzugehen, und da meine Cousine ...